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Von der Elendskirche zur Friedenskirche Westerholt

von Harm Poppen, Westerholt

Mit dem Abschluss der Eindeichung der ostfriesischen Halbinsel  (1000 – 1200) setzte im Harlingerland eine beachtliche Entwicklung ein. Handel und Gewerbe nahmen einen neuen Aufschwung, ein gewisser Wohlstand kehrte ein, und das alte Selbstbewusstsein der Friesen, ihr Streben nach Freiheit und Unabhängigkeit, konnte sich nach dem Verfall des Frankenreiches neu entfalten. Es folgte die Epoche der „Friesischen Freiheit“, in der es zur Bildung selbständiger Bauernschaften kam. Zu einer solchen Bauernrepublik hatte sich auch das Harlingerland entwickelt, das früher zum Gau Nordendi gehörte. Durch lebhaften Seehandel, der von den Orten ausging, die an der tief ins Landesinnere einschneidenden Harlebucht lagen, erlangte das Harlingerland eine gewisse wirtschaftliche Bedeutung.

Auf den wirtschaftlichen Aufschwung folgte im 12. und 13. Jahrhundert eine Zeit starker religiöser Betroffenheit und Bewegung. Man mag sie im Zusammenhang mit den Kreuzzügen und der dahinter stehenden religiösen Begeisterung sehen. Doch was sich in dieser Zeit im Harlingerland entwickelte, hatte sein besonderes Gepräge. Es vollzog sich der Durchbruch zu einem geistlichen Leben, das sich freigemacht hatte von jeder Form der Fremdbestimmung, seien es von außen herangetragene missionarische Einwirkungen oder Einflussnahmen staatlicher oder kirchlicher Obrigkeiten. Es war das Volk selbst, das im Christusglauben die Lebens- und Ausdrucksform entdeckte, in der es sich als zusammengehörige Gemeinschaft erfuhr. Diese frühmittelalterliche „Erweckung“ fand ihren Niederschlag in einer regen Kirchenbautätigkeit. Es kam in den Bauernschaften regelrecht zu einem „frommen Wettstreit in Stein“.

Eine solche Bewegung muss sich auch in den Bauernschaften Nenndorf und Westerholt entwickelt haben.

Wir wissen, dass das Gebiet der Bauernschaften Nenndorf und Westerholt bereits vor Christi Geburt besiedelt war. Die aktuellen Ausgrabungen in Nenndorf und Westerholt östlich und westlich der heutigen Mühle Nenndorf und im heutigen Gewerbegebiet Terheide belegen dies ebenso wie der Fund der Goldschalen von Terheide aus der Bronzezeit und der Fund des Lederschuhs und des Goldamuletts aus der römischen Kaiserzeit.

Als in dieser Kirche im Januar 1975 die neue Fußbodenheizung eingebaut wurde, fanden die herbeigerufenen Archäologen unter dem Profil des herausgerissenen Fußbodens einen alten Lehmfußboden und Verfärbungen von Holzpfeilern. Diese Entdeckung führt zu dem Schluss, dass die Westerholter Kirche eine Vorgängerkirche aus Holz mit lehmverputzten Flechtwänden gehabt hat. Holz war im Holtriemerland als Baustoff genügend vorhanden. Diese Holzkirche stammt, so die Einschätzung des Fachmannes für mittelalterliche Kirchen im Harlingerland, Dr. Robert Noah, aus vorchristlicher Zeit. Auch diese Kirche stand auf der Warf, auf der auch die heutige Kirche steht. Es war die Zeit des Heidentums. Unsere Vorfahren waren in dieser Zeit auch gläubig; sie glaubten und verehrten ihre Götter, die nach ihrer Auffassung für ganz praktische Dinge zuständig waren wie für die Ernte, die Bedrohung der Ernte durch Blitz und Gewitter, für das Feuer, für die Geburt, das Leben und den Tod. Die hier lebenden Menschen müssen die Warf mit ihrer Hände Arbeit aufgebaut haben. Als Standort wählten sie, wie anderswo auch, die exponierte Lage an der Kreuzung zweier Handelswege aus. Sicher war der Holzbau zu damaliger Zeit lediglich ein Raum, in dem sich die Menschen versammelten, ihre Probleme besprachen und die Götter gnädig stimmen wollten.

Die Bestattung der Toten fand an diesem Platz nicht statt. Aus Grabungen in Terheide wissen wir, dass die Toten nahe am Wasser, z.T. in sitzender Stellung (Höckergräber) bestattet wurden, um das Weiterkommen nach dem Tode zu erleichtern.

Es kommt dann im Harlingerland die bereits angesprochene Zeit des „frommen Wettstreits in SteIn“. In der Zeit zwischen 1200 – 1300 werden im Harlingerland an vielen Orten Steinkirchen gebaut. Als Baumaterial werden Granitquader und Backsteine verwendet. Die Menschen leben in unserer Gegend von Ackerbau, Viehzucht und einem ausgeprägten Handel. Es geht ihnen gut und sie sind bereit, von ihrem Wohlstand etwas abzugeben um sich von Sünden freizukaufen bzw. ihren Göttern zu danken. Die Führungsschicht der Bauernschaften organisiert so den Bau der Kirchen.

Schriftliche Überlieferungen, wann die Westerholter Kirche gebaut wurde, existieren nicht. Durch die Bestimmung der Backsteine, den Mauerverband und die beim Bau verwendeten Dachziegel, der Hölzer und der baulichen Besonderheiten wurde von Robert Noah in seiner Arbeit „Die mittelalterlichen Kirchen des Harlingerlandes“ nachgewiesen, dass die Westerholter Kirchen zwischen 1250 – 1270 gebaut wurde. Sie zählt damit zu den älteren Kirchen des Harlingerlandes und ist definitiv die älteste Kirche des Holtriemerlandes. Der Kirchturm wurde später, etwa um 1350 gebaut. Der Glockenturm hat einen quadratischen Grundriss und ist in der Höhe mit einem Zeltdach geschlossen. Der Turm ist zweigeschossig. In früheren Zeiten war das Erdgeschoß des Turmes offen und diente als Durchgangsturm.1657 wird der Glockenturm nach einem heftigen Sturm stark beschädigt Nach der Instandsetzung des Glockenturmes werden 1706 die Öffnungen bis auf eine Zugangstür verschlossen und das Erdgeschoß dient als Armenstube. In einem Protokoll heißt es: „unten wohnt umsonst ein armer“.

Durch den Bau der Klöster nahmen die Mönche Einfluss auf das kirchliche Leben. Das Kloster Meerhusen wird 1183 vom Zisterzienserorden gegründet. In der Karte Cirea Annum 1277 wird ein Vorwerk dieses Klosters in Terheide nachgewiesen. Wir kennen den Standort dieses Vorwerks und wissen auch, dass es eine direkte Wegverbindung zwischen dem Kloster Terheide und der Westerholter Kirche gab. Sicherlich haben Mönche ihre Erfahrung bei der Herstellung von Steinen aus dem in der Gegend um Westerholt vorhandenen Tonboden eingebracht und auch bei der Bearbeitung der Granitquaderblöcke mitgearbeitet. Die älteste schriftlich vorliegende Beschreibung unserer Kirche finden wir im Stader Copiar von 1420. Dort heißt es: „Westerholtum, dessen Kirche mit einem Wall umgeben die Gestalt einer militärischen Befestigungsanlage annimmt“. Bei Friedrich Arends „Erdbeschreibung des Fürstentums Ostfriesland“(1824) lesen wir: „Die 30 Schritt lange Kirche steht am Postwege, auf einer Anhöhe von geringem Umfang, doch hoch und sehr steil aufgehend. Sie war im 15. Jahrhundert stark befestigt, mit Wall und breiten Gräben umringt und durch Hero Omken mit einer starken Besatzung belegt, die immerfort Streitereien in die umliegende Gegend that und die Beute dahin in Sicherheit brachte.“ In seiner „Geschichtlich-ortskundigen Wanderung gegen Ende der Fürstenzeit in Ostfriesland“ von Houtrouw, Pastor in Neermoor (1889) schreibt er: „Auf dem Weg von Swiendorp her kommen wir zunächst zu der in einiger Entfernung vom Dorf alleinstehenden Kirche, die wegen dieser Lage auch wohl die „elende Kirche“ genannt wird. Wir erblicken sie auf einer Anhöhe von geringem Umfang, die aber hoch und steil aufsteigt. Sie war im 15. Jahrhundert stark befestigt, mit Wall und breitem Graben umringt, und wurde während der Fehde des Grafen Edzard I. mit Hero Omken von Esens von diesem mit einer starken Besatzung belegt.“ In der Beschreibung der romanischen Kirchen in Friesland von Elimar Rogge (1943) wird die Westerholter Kirche als ein Backsteinbau mit bündigem Granitsockel, räumlich äußerst dürftig und kahl, beschrieben. Von der um die Wende des 18. Jahrhunderts abgebrochenen Apsis bildet der Bogen mit Rundstab jetzt eine große Blende, während außen die Maueransätze erhalten sind. Wie aus den Resten der Wandpfeiler hervorgeht, war der Raum einst in derselben Weise überwölbt wie in der Westeraccumer Kirche; denn selbst die wenigen Formen stimmen überein. Die Auseinandersetzungen zwischen den Grafen Edzard von Ostfriesland und dem Häuptling des Harlingerlandes, Hero Omken, hatten auch für die Kirche Westerholt eine besondere, leider unrühmliche, Bedeutung. Um was ging es bei diesen Auseinandersetzungen?

Graf Edzard, dem der Geschichtsschreiber Wiarda wohl in vaterländischer Begeisterung den ehrenden Beinamen „der Große“ zulegte, hatte von seinem tüchtigen Vater den kaiserlichen Besitztitel für die ostfriesische Grafschaft geerbt. Häuptling Hero Omken, der das Harlingerland beherrschte und Häuptlinge Edo Wiemken von Jever, bestanden auf ihre Selbständigkeit und ärgerten den Grafen durch ständige Sticheleien und Raubzüge in das Auricher- und Norderland. 1496 war dann das Maß voll und Edzard wollte diesem Ärgernis wohl ein für alle Mal ein Ende bereiten. Im Frühsommer des Jahres 1496 bewegte sich durch die Dörfer des Harlingerlandes schwerfällig ein beachtliches Aufgebot von Landsknechten ostwärts. Berittene, Fußvolk mit Arkebusen, Armbrustschützen sowie zum Schluss die schweren Kanonen mit Munitionswagen, vollbeladen mit den dazugehörigen Steinkugeln – angeführt vom Grafen Edzard selbst. Vorausgesandte Späher hatten auch schon den Feind ausgemacht, Hero Omken nämlich, der seine Mannen in der Kirche von Westerholt verschanzt und die Kirche befestigt hatte. Die Westerholter Kirche auf der Warf gelegen und mit Wall und Graben umgeben, ließ sich strategisch gut verteidigen und war nur schwer einzunehmen. Die kriegerische Auseinandersetzung begann und der bekannte

Geschichtsschreiber Beninga berichtet wie folgt: „.... is grave Edzardt mit syner macht vor de karken getaegen, leet syn geschütt darvor richten un tom storm bescheeten..“. Die Kanoniere Edzards griffen von der Nordseite an und zerstörten nicht nur die Außenmauer der Kirche sondern auch das Dach und brachten die

Gewölbekuppel zum Einsturz. In seinem Bericht hebt der Geschichtsschreiber Beninga besonders auch die Tapferkeit des damals 37 Jahre alten Grafen hervor. Er schreibt: „as se nu de karcken in grave Edzards handen nich wulden upgeven, hefft he enen storm darvor angerichtet. Und ist grave Edzard in egener person mit den verlorenen hoep vor erste an de karck gerueschet und de stormende hand gewunnen. Darup völe doetgeschlagen und negen stige gevangen, de na Aurick geschickt wurden.“

Professor Ubbo Emmius schreibt in seiner bekannten Schrift „Rerum Frisicarum Historia“ (Emmius lebte von 1547 – 1625) zum Angriff auf die Westerholter Kirche folgendes: „ Hero Omken hatte die Kirche in Westerholt im äußersten Winkel des Harlingerlandes, und zwar in der südwestlichen Ecke, stark gegen Edzards Leute befestigt. Die Lage dieser Kirche war folgende: Ein ebenes Feld mit niedrig gelegenem Boden erstreckt sich weithin nach Westen. In ihm erhebt sich ein niedriger Hügel, der künstlich aufgeschüttet worden ist, ungefähr hundert Doppelschritte vom Ort entfernt. Auf der höchsten Stelle steht eine Kirche. Diesen ganzen Hügel hatte Hero mit Wall und Graben umgeben und in die Form einer Festung gebracht. Er hatte eine starke Besatzung von Bewaffneten hineingelegt. Von hier aus pflegte er wie von einem Lager aus Ausfälle in Edzards Gebiet zu machen, zu plündern, die Leute zu quälen und in ständiger Furcht zu halten. Daher führte Graf Edzard zuerst seine Truppen dorthin. Mit größeren Geschützen beschoss er den Wall, schlug eine Bresche hinein und bestürmte ihn mit höchster Kraftanstrengung. Aber bei dieser Belagerung geriet er selbst in höchste Lebensgefahr. Denn da er seinen Leuten überall beistand und ihnen durch sein Vorbild und seine Ermahnungen Mut machte, wurde er vom Feind erkannt, der mit seinem Geschütz auf ihn zielte. Und er wäre gefallen, wenn nicht ein Diener, der das Feuer des entzündeten Pulvers bemerkt hatte, aus Furcht für seinen Herrn ihn schnell von der Stelle weggerissen hatte. So entging er dem Geschoß und damit dem Tod nur um einen Augenblick. Denn seinem Diener, der ihn auf dem Fuße folgte, wurde, bevor er sich in Sicherheit bringen konnte, das Schienbein durchbohrt, er hätte beinahe sein Leben dabei eingebüßt. Aber das Kastell wurde, ringsum vom Feind umgeben und von allen Seiten bedrängt, schließlich eingenommen. Die Besatzungssoldaten, die das Blutbad überlebten, 180 Mann, meistens Bauern aus dieser Gegend, aber unter Waffen abgehärtet, wurden gefangengenommen.“

Es soll nicht verschwiegen werden, dass es hinsichtlich der Erstürmung der Kirche auch eine andere Darstellung gibt, nämlich dass Edzards Leute der Besatzung der Kirche bei Aufgabe freies Geleit versprochen haben.
Dieses Versprechen wurde dann nach Einnahme der Kirche schändlich gebrochen.

Ich möchte noch ergänzen, dass der Diener des Grafen, nachdem sein Bein zerschmettert wurde, ein Stelzbein bekam und er fortanals „Hans up de Trippen“ durch das Auricher Schloss trippelte.
Als Belohnung für seine Rettungsaktion erhielt er vom Grafen später den auch heute noch vorhandenen Sandhorster Krug an der B 210 Plaggenburg – Aurich in Sandhorst.

Als Kriegsbeute nahm sich Edzard die beiden Dörfer Nenndorf und Westerholt. Den die Kirche umgebenden Wall ließ er in den Graben werfen und gab dann die Kirche zurück, damit sie fortan ihrer eigentlichen Bestimmung als Gotteshaus dienen konnte.
Wegen ihrer baulichen Beschädigungen und ihrem kargen Inneren wird die Kirche seitdem im Volksmund „Elendskirche“ genannt. Durch Vermittlung des Bischofs Konrad von Münster kam es dann am 21. Oktober 1497 überraschend schnell zu einem Friedensvertrag zwischen den verfeindeten Parteien. Im Oldenburger Urkundenbuch finden wir hierzu unter dem 21.10.1497 folgende Eintragung: „Zwischen den Herren Edzard und dessen Bruder Junker Uken, den Grafen von Ostfriesland einerseits, und dem Ritter Hero von Dornum und Edo Wiemken andererseits, wird die Fehde beendigt und Friede geschlossen. Die Grafen geben die beiden Dörfer Nenndorf und Westerholt in die Hände des Ritters Hero zurück, wo sie vor der Fehde gewesen sind. Gegenseitige Ansprüche werden nicht mehr durch Gewalt, sondern auf dem Rechtsweg ausgetragen. Ebenso sollen alle Probleme zwischen obengenannten Parteien in Freundlichkeit geregelt werden.“

Nachdem Martin Luther sich 1571 vom Katholizismus abwandte, setzte auch im Harlingerland die Reformation ein. Es dauerte aber noch bis 1574 ehe Graf Erich von Hoya eine streng lutherische Kirchenordnung einführte. Am 03. Juni 1574 wurden alle Pastoren des Harlingerlandes zum Grafen zitiert und entsprechend eingenordet. Die bis dahin katholischen Kirchen wurden ev.- luth. Kirchen. Dieses galt auch für die Westerholter Kirche. Alle Einrichtungsgegenstände, die mit dem katholischen Glauben in Verbindung standen, mussten aus der Kirche entfernt werden.

Nachstehend einige Daten über bauliche Veränderungen in der Westerholter Kirche:

1550 die Kirche bekommt eine Holzkanzel, bestehend aus einem spätgotischen Faltenwerk mit Rahmung aus Eiche. Die Kanzel wird mit einem Adlerwappen verziert, welches vermutlich auf die Grafschaft Rietberg zurückgeht. Diese Kanzel gehört zu den ältesten Holzkanzeln in Ostfriesland.

1618 – 1648 (30.jähriger Krieg) = die alte Glocke wird aus dem Westerholter Glockenturm gestohlen und 1671 an Ort und Stelle neu gegossen und wieder eingebaut.

1733 = das Gewölbe wird abgebrochen und durch eine Holzdecke ersetzt. Überliefert ist, dass 1733 Pastor Henrich Croon bei den Behörden in Aurich wegen „gestrandeter Dielen zum Kirchenboden supplizieret“.

1734 = der Dachstuhl wird teilweise abgebrochen, ergänzt und neu hergestellt.

1754 = die Holzkanzel bekommt einen Schalldeckel mit der Aufschrift: „Du sollst Ihnen meine Worte sagen, sie gehorchen oder lassen.“

1797 = die Apsis wird wegen absoluter Baufälligkeit abgebrochen. Mit den Steinen der Apsis wird die Öffnung in der Ostmauer wieder geschlossen.

1839 = die Ortschaft Eversmeer wird eingepfarrt.

1841 = die Kirche bekommt eine Orgel, die von dem Esenser Orgelbauer Arnold Rohlfs angefertigt wurde. Bevor die neue Orgel aufgestellt werden konnte, werden Umbauarbeiten in der Kirche erforderlich. Für die Orgel muss eine Empore gebaut werden. Hierfür wird eine stehende Wand, die quer durch die Kirche führt, und auf die 12 Apostel-Statuen stehen, abgebrochen. Über den Verbleib der Apostel-Statuen ist leider nichts bekannt.

1897 = die Orgel wird von Osten nach Westen versetzt.

1942 = kriegsbedingt muss die große Glocke abgegeben werden.

1960 = der Altarraum wird neu gestaltet und um drei Stufen erhöht.

1963 = es wird eine zweite Glocke angeschafft.

1988 = die Orgel wird vom Orgelbauer Martin Haspelmath aus Walsrode generalüberholt.

2009 = die Kanzel wird grundlegend restauriert.

Nach einer Kirchenbeschreibung aus dem Jahre 1861 soll sich in der Westerholter Kirche ein rundes, aus gebrannten Steinen zusammengesetztes Taufgefäß befunden haben. Auch Houtrouw berichtet von diesem Taufgefäß, welches einen Holzdeckel aus dem Jahr 1682 trägt. Wann dieses Taufgefäß aus der Kirche entfernt wurde, ist leider nicht bekannt.

 Alle Geistlichen der Westerholter Kirche sind seit 1549 schriftlich bezeugt. Besonders gelobt wird in den kirchlichen Aufzeichnungen Pastor Nicolaus Nadeus (1646 – 1683), der sich um die Instandsetzung der Kirche und der Beschaffung einer neuen Glocke (1671) besonders verdient gemacht hat.

Bei der Restauration der Kanzel 2009 wurde der Name der Ehefrau des Pastors Anton Conrad Hoppe im Schalldeckel der Kanzel wieder sichtbar. Pastor Hoppe war von 1750 – 1761 Pastor in Westerholt. Bei der Ehefrau des Pastors handelt es sich um Helena Gedruth Hoppe geb. von Lewen. Das Ehepaar Hoppe heiratete am 13.09.1752 in Asel. Es wird angenommen, dass Frau Hoppe sich an den Kosten des Schalldeckels maßgeblich beteiligt hat.

 Wie bereits ausgeführt, konnte trotz intensiver Nachforschung kein Patronatsname der Westerholter Kirche festgestellt werden. Lediglich der Name „Elendskirche“ findet sich in der Literatur und wird auch im Volksmund so verwendet. Um der Kirche trotzdem einen Namen zu geben, wurde 2008 durch die Kirchengemeinde Westerholt eine Befragung aller konfirmierten Gemeindemitglieder durchgeführt und die Namen „Christuskirche“, „Kreuzkirche“, „Lutherkirche“ und „Friedenskirche“ zur Abstimmung gestellt.

Die Befragung der Gemeindeglieder brachte mit 66,33 % aller abgegebenen Stimmen eine deutliche Mehrheit für den Namen  „Friedenskirche“. Am 22.02.2009 wurde die Westerholter Kirche dann durch Herrn Lanbdessuperintendenten Dr. Detlef Klahr auf diesen Namen getauft.

Damit ging die „namenslose Zeit“ der Westerholter Kirche zu Ende. Da die Westerholter Kirche seit dem Friedensschluss vom 21. Oktober 1497 ein Ort des Friedens blieb, ist der Name „Friedenskirche“ historisch gesehen auch gut gewählt. Nachdem die Kirche seit der Fehde nach und nach wieder in einen guten, zeitgemäßen baulichen Zustand gebracht wurde, war der Name „Elendskirche“ für diese Kirche auch nicht mehr zutreffend. Allerdings wird dieser Name sicherlich in den Köpfen der älteren Westerholter weiter fortleben und so schnell nicht durch den neuen Namen „Friedenskirche“ ersetzt werden können.